Wir arbeiten an Abhilfe
Berufs- und Bildungsberatung ist immer individuell. Das heißt, dass auch die arbeits- und sozialrechtlichen Bestimmungen, die bei den auf diesem Gebiet tätigen Personen anwendbar sind, recht unterschiedliche sind. Die neuen Entwicklungen in diesem Bereich in Wien sind Besorgnis erregend.
Da das AMS von den Instituten die arbeitsrechtlichen Bedingungen einfordert, kann es in manchen Fällen zur Anstellung der bisher auf freier Basis tätigen TrainerInnen kommen. Diese gehen aber - so ist zu befürchten - auf deren finanzielle Kosten. Es besteht die Gefahr, dass manche KollegInnen durch das Anstellungsverhältnisses eine existentielle Verschlechterung erfahren. Das Beispiel einer/s TrainerIn mit Babe-KV (Verwendungsbereich 4) veranschaulicht das. Vier Jahre Erfahrung, Vollzeit 38 h ergibt ca. € 2.000,-- bto, Teilzeit (25 h) ergibt ca. 1.320,-- bto, davon blieben netto ca. 1.060,--)
Viele Projekte sind Teilzeitauslastungen, die KollegInnen oft entsprechend kombinieren um Einkommen zu generieren. Derzeit ist auch fraglich, ob das auch angestellten TrainerInnen erlaubt sein wird.
Außerdem müssen wir uns fragen, ob die angestrebten Dienstverhältnisse befristet geschlossen werden. Wenn ja, dann "blüht" den Betroffenen nach dem jeweiligen Vertragsende eine Zwangspause von drei Monaten im jeweiligen Institut, da sonst Kettenvertrag imminent wäre! Theoretisch können sie natürlich jederzeit bei anderen Instituten am AMS-Markt beschäftigt werden, was einige Institute untereinander aber nur sehr ungern sehen.
Damit die KollegInnen weiter gute Qualität - dass sie das tun belegen die Feedback-Daten des AMS - liefern können, müssen sich deshalb nicht nur Gehalt, bzw. Honorar-Stundensatz entscheidend ändern. Es muss aber auch eine breite Debatte über die Strukturen der Berufsorientierung und -bildung statt finden.
Wir wollen Abhilfe schaffen und tun deshalb folgendes:
• Wir nutzen unsere Kontakte zum Ministerium für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz für Gespräche, um das Schlimmste zu verhindern.
• Wir legen Wert auf höhere Honorare (40 Euro/Stunde)
• Wir arbeiten an einer kameralen Interessensvertretung für alle in diesem Bereich tätigen KollegInnen.
• Wir raten unseren Mitgliedern sich diesen Strukturen nicht auszusetzen und beispielsweise auf andere Bundesländer auszuweichen.
• Wir bemühen uns um die Eröffnung neuer Berufsfelder für KollegInnen, die einen Gegenpol zu diesen Zwangsweisen Anstellungsverhältnissen darstellen (zB beispielsweise Einzelcoaching mittels Bildungsschecks; und/oder eine Kombination von Einzelberatung plus Training in der Gruppe (für Bewerbungsschreiben etc)).
Unser Ziel ist ein eigenes Berufsbild für die Berufs- und Bildungsberatung mit arbeits- und sozialrechtlichen klaren Regelungen, die nicht auf Kosten der KollegInnen gehen. Wie es das beispielsweise in der Schweiz schon lange gibt. Mit Regelungen, die mittelfristig eine effektive und trotzdem individuelle Berufs- und Bildungsberatung ermöglichen. Und eine breite Vernetzung mit allen Institutionen, öffentlichen Gremien und Stellen in diesem Bereich (AMS, Ministerien, Kammern, GPA, Kebö...). So dass sich auch ein öffentliches Bewusstsein für unseren Berufsstand entwickeln kann. Denn: Höhere Bildung bedeutet höhere Partizipation am Arbeitsmarkt. Und unsere Klienten haben ein Recht auf ihre Chance auf Bildung.
Offener Brief an Minister Hundsdorfer: "Berufs- und Bildungsberatung in Nöten"